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Handelsblatt vom 09.02.2011
Geschlossene Fonds: Anleger scheuen Risiko
Investoren legen ihr Geld vor allem in Beteiligungen an deutschen Immobilien an.
Die
Branche der Anbieter von Unternehmensbeteiligungen in Form von geschlossenen Fonds erholt sich. Gefragt sind risikoarme Fondssegmente – vor allem geschlossene Deutschland-Immobilienfonds. Die Anbieter sammelten im vergangenen Jahr 5,8 Milliarden Euro Eigenkapital ein – 13 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das geht aus den gestern vorgestellten Zahlen des Verbands geschlossener Fonds (VGF) hervor. „Wir hoffen, in diesem Jahr weiter zu wachsen“, sagte Eric Romba, Hauptgeschäfts-führer des VGF auf einem Branchenkongress.
Der gegenwärtig geringe Appetit auf riskantere Segmente wie etwa Schiffe ist an den guten Platzierungszahlen der inländischen Immobilienfonds ablesbar. Ihr Zeich-nungsvolumen stieg um fast 50 Prozent auf gut 1,6 Milliarden Euro, so dass sie das stärkste Einzelsegment darstellen. In die als riskanter geltenden Auslandsimmobilien-fonds flossen dagegen nur rund 720 Millionen Euro – ein Minus von fast 50 Prozent. Der deutsche Immobilienmarkt hat die Krise vergleichsweise gut überstanden.
Geschlossene Fonds werden von darauf spezialisierten Emissionshäusern als Kom-manditgesellschaften aufgelegt. Die Fondshäuser sammeln über Banken und freie Vertriebe Einlagen von manchmal mehr als tausend Kunden ein. Die werden Kom-manditisten, die nur mit ihrer Einlage haften. Das Kommanditkapital wird um Kredite ergänzt, so dass die Fonds 2010 letztlich ein Volumen von 10,8 Milliarden Euro erreichten. Das Anlagespektrum reicht von Immobilien, Schiffen, Flugzeugen und Anlagen für alternative Energien bis zu Beteiligungen an jungen oder schnell wach-senden Unternehmen (Private Equity). Geschlossene Fonds sind Unternehmen, die insolvent werden können, so dass der Anleger seine Einlage verlieren kann.
Vor fünf Jahren hatten Anleger der Branche noch mehr als elf Milliarden Euro gebracht. Doch ganz besonders nach der Pleite der Bank Lehman im Herbst 2008 waren die Platzierungszahlen der Branche in den Keller gerauscht. Als Unterneh-mensbeteiligungen waren geschlossene Fonds von den staatlichen Garantien für Spareinlagen ausgeschlossen. Die anschließende Weltwirtschaftskrise brachte insbesondere Schiffsfondsanbieter an den Rand der Pleite. Die börsennotierten Branchengrößen MPC und HCI mussten von Banken gerettet werden.
Nun droht gerade diesem Segment neues Ungemach. Vor wenigen Tagen wurde die große koreanische Reederei Korea Line insolvent. Sie hat mehrere deutsche Fonds-schiffe gemietet. Ob und in welcher Höhe sie künftig die Charterraten (Schiffsmie-ten) zahlen wird, ist offen.
Dessen ungeachtet blickt die gesamte Fondsbranche optimistisch ins neue Jahr. 87 Prozent der von der Fondsratingagentur Scope befragten Emissionshäuser erwarten für das eigene Haus in diesem Jahr gute bis sehr gute Geschäfte. |
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Süddeutsche Zeitung vom 08.02.2011
Der Tod der Lebensversicherung
Was sollen die Deutschen ohne ihre Lebensversicherung machen? Auf 80 Millionen Einwohner kommen 95 Millionen Verträge - eine unfassbare Zahl. Doch nun droht
der Lebensversicherung der Tod.
Die Deutschen sind gut versichert. Aus Furcht vor dem Loch in der gesetzlichen Rentenkasse wird fleißig gespart. Zum Großteil landet das Geld auf dem Sparbuch, doch da zehrt die Inflation an der Rendite. Oder man kauft eine Lebensversicherung. Und dann noch eine: 95 Millionen Lebensversicherungspolicen gibt es hierzulande - mehr als Bundesbürger.
Die Verträge weisen jedes Jahr rund vier Prozent Rendite aus. Es gilt zwar nicht als sexy, auf diesem Weg fürs Alter zu sparen. Aber nach zwei Börsencrashs in zehn Jahren sind den Deutschen ihre Lebensversicherungen so heilig wie Sparbuch und Bausparvertrag. Doch mit der gepflegten Langeweile, die garantierte Zinsen bieten, dürfte bald Schluss sein.
Neue Bilanzierungsregeln für die Unternehmen bringen die Lebensversicherung, so wie die Deutschen sie heute kennen, in Gefahr. Groß sind die Klagen der Branche, die mit einer halben Million Beschäftigten und rund 200 Milliarden Euro jährlichem Umsatz zu den bedeutendsten Industriezweigen des Landes zählt.
"Wenn die neuen Bilanzvorschriften wie geplant kommen, werden klassische kapital-bildende Lebensversicherungen möglicherweise in Zukunft nicht mehr angeboten werden können", sagt Werner Görg, Vorstandschef der Gothaer Versicherung.
Ein ähnliches Schicksal drohe staatlich geförderten Riester-Policen. "Die kapitalge-bundene Lebensversicherung ist tot", urteilt der Leiter der Finanzberichterstattung eines großen Konzerns. "Wenn der Vorschlag Gesetz wird, gibt es für unsere Kunden keine langfristigen Zinsgarantien mehr."
Heute ist es üblich, Anlegern für die gesamte Laufzeit eines Vertrages, oft sind das 30 Jahre und mehr, eine Mindestverzinsung zu garantieren. Derzeit versprechen die Unternehmen neuen Kunden 2,25 Prozent Zinsen auf ihre Sparbeiträge. Im Durch-schnitt haben deutsche Versicherer den Anlegern 3,4 Prozent Zinsen zugesichert, bei manchen alten Verträgen sogar vier Prozent. Die Garantie ist eines der besten Verkaufsargumente für die Policen, sie wiegt angesichts niedriger Kapitalmarktzinsen umso schwerer.
Genau hier setzt die Kritik der Bilanzexperten an: "Wenn ein Unternehmen in Zeiten hoher Zinsen einen langfristigen Lebensversicherungsvertrag mit vier Prozent Garantie geschlossen hat, bekommt es ein Problem, wenn die Zinsen über Jahre hinweg kontinuierlich sinken, wie dies in Japan der Fall war", sagt Thomas Noack, Analyst der WestLB.
"Dann baut sich eine Garantieverpflichtung auf, die nur schwer erwirtschaftet werden kann. Das ist gefährlich." Denn ein niedriges Zinsniveau bedeutet, dass die Kosten für Garantien extrem teuer werden, das wiederum belastet das Ergebnis. Bislang reflektiert die Bilanz aber nicht die tatsächlichen Garantiekosten in der Lebensversicherung, eine mögliche Schieflage zeigt sich allenfalls in sinkenden Aktienkursen, nicht aber in der Gewinn- und Verlustrechnung. Noack zweifelt deshalb an der Aussagekraft der heutigen Bilanzen. Künftig soll das anders werden.
Seit 13 Jahren schon arbeitet das International Accounting Standards Board (IASB) mit Sitz in London an Bilanzregeln für Versicherer. Nun drängt die Zeit. Im Juni endet die Amtszeit des Vorsitzenden Sir David Tweedie, turnusmäßig verlassen auch andere Mitglieder das Gremium, in dem Bilanzierer und Wirtschaftsprüfer sitzen.
Bis dahin soll die unüberschaubare Vielfalt an Rechnungslegungsvorschriften in Europa beseitigt werden, die es praktisch unmöglich macht, die Bilanzen verschie-dener Unternehmen miteinander zu vergleichen. Läuft alles nach Plan, werden die neuen Regeln wohl noch in diesem Jahr von der EU-Kommission anerkannt und damit automatisch zu nationalem Recht.
Dann werden Versicherungsverträge spätestens ab 2015 wie andere Finanzinstru-mente auch behandelt. Dann herrscht kalte ökonomische Realität in den Unterneh-men. Hinter den neuen Standards steht die schlichte Frage: Was kostet es das Unternehmen, seine Verpflichtungen zu erfüllen, wenn die zukünftigen Zahlungs-ströme zum heutigen Zeitpunkt abgezinst werden? "Wir halten diese Sichtweise für richtig, denn heute wird dies nicht gemacht", sagt Jörg Schneider, Finanzvorstand der Munich Re. "Der Teufel liegt allerdings im Detail: nämlich der Wahl des richti-gen Zinssatzes."
Die neuen Standards gelten im Wesentlichen für große Aktiengesellschaften wie Allianz, Munich Re mit seinem Erstversicherer Ergo, Generali oder Axa. Für Gesell-schaften, die viele klassische Lebensversicherungen mit Zinsgarantie im Portfolio haben, bedeutet das: Sie müssen bei Zinsänderungen große Schwankungen in der Gewinn- und Verlustrechnung hinnehmen.
"Die Ergebnisse werden dramatisch hin- und herschwingen", sagt Gothaer-Chef Görg. "Dafür brauchen wir wesentlich mehr Eigenkapital." Das wäre wohl das Ende der Lebensversicherung deutscher Art. Statt den Sparern Garantien zu gewähren, würden die Versicherer das Kapitalanlagerisiko auf ihre Kunden abwälzen und verstärkt fondsgebundene Produkte verkaufen. |
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Handelsblatt vom 08.02.2011
Anleger stürmen geschlossene Fonds
Die Krise hat geschlossenen Fonds massiv zugesetzt, jetzt füllen sie wieder ihre Kriegskassen. Die Anleger ziehen mit, scheuen aber riskante Investments. Das Nachsehen haben die Reeder.
FRANKFURT. Die Deutschen suchen sichere Geldanlagen. Das haben auch die Anbieter geschlossener Fonds erkannt und damit Erfolg gehabt. Sie sammelten im vergangenen Jahr 5,8 Milliarden Euro Eigenkapital ein - 13 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das geht aus den heute vorgestellten Zahlen des Verbandes Geschlossener Fonds (VGF) hervor. "Wir hoffen, in diesem Jahr weiter zu wachsen", sagte Eric Romba, Hauptgeschäftsführer des VGF auf dem Branchenkongress VGF-Summit in Frankfurt.
Der gegenwärtig geringe Appetit auf Risiko ist an den Platzierungszahlen der inlän-dischen Immobilienfonds ablesbar. Ihr Zeichnungsvolumen stieg um fast 50 Prozent auf gut 1,6 Milliarden Euro, so dass sie das stärkste Einzelsegment darstellen. In die als riskanter geltenden Auslands-Immobilienfonds flossen dagegen nur rund 720 Millionen Euro - ein Minus von fast 50 Prozent. Der deutsche Immobilienmarkt hat die Finanz- und Wirtschaftskrise vergleichsweise gut überstanden.
Geschlossene Fonds werden von darauf spezialisierten Emissionshäusern als Kom-manditgesellschaften aufgelegt. Die Fondshäuser sammeln über Banken und freie Vertriebe Einlagen von manchmal mehr als tausend Kunden ein. Die werden Kom-manditisten, die nur mit ihrer Einlage haften. Das Kommanditkapital wird um Kredite ergänzt, so dass die Fonds 2010 letztendlich ein Volumen von 10,8 Milliarden Euro erreichten.
Das Anlagespektrum reicht von Immobilien, Schiffen, Flugzeugen und Anlagen für alternative Energien bis zu Beteiligungen an jungen oder schnell wachsenden Un-ternehmen. Geschlossene Fonds sind durch ihre rechtliche Struktur vor der Insol-venz nicht gefeit - Anleger riskieren somit den Komplettverlust ihrer Einlagen.
Vor fünf Jahren hatten Anleger der Branche noch mehr als elf Milliarden Euro gebracht. Doch nach der Lehman-Pleite 2008 rauschten die Platzierungszahlen der Branche in den Keller. Als Unternehmensbeteiligungen waren geschlossene Fonds von den staatlichen Garantien für Spareinlagen ausgeschlossen. Die anschließende Weltwirtschaftskrise brachte insbesondere Schiffsfondsanbieter in Bedrängnis. Die Charterraten (Mieten) für Schiffe sanken rapide, Reeder konnten ihre Verpflichtun-gen nicht mehr bedienen. Schiffe fanden keine Ladung und lagen ohne Einnahmen fest.
Das traf Anleger wie Emissionshäuser, die keine Abnehmer für ihre Fonds fanden.
Die börsennotierten Branchengrößen MPC und HCI mussten von Banken gerettet werden. Nun droht gerade diesem Segment neues Ungemach. Vor wenigen Tagen schlitterte die große koreanische Reederei Korea Line in die Insolvenz. Sie hat mehrere deutsche Fondsschiffe gemietet. Ob und in welcher Höhe sie künftig die Charterraten zahlen wird, ist offen. "Das kommt zur Unzeit", sagte Reiner Seelheim, Geschäftsführer von Nordcapital, einem der größten Schiffsfondsanbieter in Deutschland, und ergänzte: "Die Schifffahrtskrise ist noch nicht vorüber."
Schiffsfonds waren im vergangenen Jahr das Sorgenkind der Branche. Zwar holten sich neu aufgelegte Fonds rund 710 Millionen Euro von Anlegern. Doch diese Fonds investierten weit überwiegend nicht in neue Schiffe, sondern kauften notleidende Schiffe oder kauften gebrauchte Anteile von Investoren, die sich aus diesem Markt verabschieden wollten. Weitere 285 Millionen Euro resultierten aus Kapitalerhöhun-gen bestehender Fonds. Letztendlich schossen Kommanditisten oder neue externe Investoren frisches Kapital in bereits bestehende Fonds, um diese vor der Insolvenz zu retten. Geboten wurde ihnen höhere und bevorrechtigte Ausschüttungen, wenn die Fonds saniert sind.
Dessen ungeachtet blickt die gesamte Fondsbranche optimistisch ins neue Jahr. 87 Prozent der von der Fondsratingagentur Scope befragten Emissionshäuser erwarten für das eigene Haus in diesem Jahr gute bis sehr gute Geschäfte. "Sicherheitsorien-tierte Konzepte, die stetige Einnahmen versprechen, werden nach Einschätzung der meisten Marktteilnehmer nach 2011 begehrt sein", fand Scope heraus. Gleichzeitig wird es aber immer schwerer, geeignete Investitionsobjekte zu finden. Auch dies gilt ganz besonders für die Anbieter inländischer Immobilienfonds.
Seit Monaten verteuern sich attraktive Gewerbeimmobilien. Investoren zahlen immer höhere Preise für die aktuelle Jahresmiete, so dass die anfänglichen Mietrenditen sinken. Für Fondsanleger fällt die Rendite nochmals geringer aus, denn sie zahlen mit ihrer Einlage nicht nur für das Fondsgebäude, sondern auch die Nebenkosten, zu denen als größter Posten die Vertriebsprovisionen für die Fondsvermittler gehören. Sinkt die Rendite weiter, sind die Fonds nicht mehr wettbewerbsfähig gegenüber anderen Anlageprodukten.
Für die Fondshäuser wird es deshalb immer schwerer, geeignete Objekte zu kaufen. Das Abschmelzen der Renditen war bereits im vergangenen Jahr zu beobachten. Scope untersuchte, mit welchen Prognoserenditen Anbieter inländischer Immobilien-fonds um Kunden warben. Statt durchschnittlich 5,65 Prozent, wie im Jahr 2009, waren es im Vorjahr nur noch 5,19 Prozent. |
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Süddeutsche Zeitung vom 26.01.2011
Und täglich grüßt die Inflation
Führende deutsche Ökonomen fürchten eine Teuerungsrate von vier Prozent. Außerdem: Hunderttausende Versicherte wechseln ihre Krankenkasse. Das Wichtigste in Kürze.
Wird nach einer langen Zeit der stabilen Preise bald alles teurer? Führende Bank-volkswirte rechnen damit, dass auf Deutschland in den kommenden Jahren eine Teuerungswelle zurollt. Der Chefökonom der Deutschen Bank, Thomas Mayer, befürchtet der Bild zufolge mittelfristig eine Vervierfachung der Inflationsrate. "Ein Anstieg der Inflationsrate in den nächsten zwei bis drei Jahren bis auf vier Prozent ist durchaus möglich", sagte Mayer.
Ein Grund sei, dass die Europäische Zentralbank (EZB) zu einer "lockeren Geldpolitik ohne große Zinserhöhungen gezwungen sein könnte", sagte Mayer weiter. Im ver-gangenen Jahr lag die Inflationsrate dem Statistischem Bundesamt zufolge bei 1,1 Prozent.
Auch der Chefvolkswirt der Postbank, Marco Bargel, rechnet mit einem deutlich steigenden Preisniveau in Deutschland. Der Bild sagte Bargel, er halte einen Anstieg der Inflationsrate auf vier Prozent in den nächsten zwei bis drei Jahren für "durchaus realistisch". Eine Inflationsrate in dieser Höhe könne es dann sogar "für mehrere Jahre" geben, sagte Bargel.
Noch größer ist die Inflationsangst in Großbritannien. Die Inflation dürfte in den kommenden Monaten auf bis zu fünf Prozent steigen, sagte der Gouverneur der britischen Notenbank (BoE), Mervyn King. Die Zentralbank werde sich bei ihren Zinsentscheidungen jedoch an langfristigen Zielen orientieren.
Zuvor hatte bereits der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, vor zu stark steigenden Preisen gewarnt. Zurzeit gebe es "Inflationsge-fahren durch steigende Rohstoffpreise", sagte Trichet zu Wochenbeginn dem Wall Street Journal.
Kassenflucht der Versicherten
Gesetzliche Krankenkassen mit Zusatzbeiträgen haben im vergangenen Jahr Hun-derttausende Versicherte verloren. Kassen ohne Beiträge verzeichnen dagegen ein deutliches Mitgliederplus, wie die Leipziger Volkszeitung nach einer Umfrage unter mehreren Krankenkassen berichtete.
Bei der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) sank die Zahl der Versicherten demnach innerhalb von zwölf Monaten um rund 460.000 auf 5,8 Millionen, bei der KKH-Allianz um knapp 190.000 auf 1,86 Millionen. "Ein Großteil der Kündigungen ist auf das Sonderkündigungsrecht nach Einführung des Zusatzbeitrages zurückzu-führen", sagte eine Sprecherin der KKH-Allianz dem Blatt. Beide Krankenkassen erheben von ihren Mitgliedern seit dem Frühjahr 2010 einen Zusatzbeitrag von acht Euro pro Monat.
Krankenkassen ohne einen solchen Beitrag gewannen der Umfrage zufolge dagegen deutlich an Mitgliedern hinzu. Die Barmer GEK steigerte ihre Versichertenzahl um etwa 100.000 auf 8,6 Millionen, die Techniker Krankenkasse (TK) um 339.000 auf 7,6 Millionen. Die IKK Classic legte um 46.000 Versicherte auf 1,86 Millionen zu, die Vereinigte IKK um knapp 26.200 auf 1,65 Millionen und die Knappschaft um 44.800 auf 1,72 Millionen.
Lehman überarbeitet Insolvenzplan
Nach Protesten von Gläubigern hat die zusammengebrochene US-Bank Lehman Brothers einen neuen Insolvenzplan vorgelegt. Der überarbeitete Plan sieht eine geänderte Verteilung der ausstehenden Milliarden unter den Schuldnern vor.
Eine Gruppe von Kreditgebern hatte den ursprünglichen Insolvenzplan kritisiert, weil er Großbanken bevorzugt habe. Wegen des Streits müssen die Gläubiger nun länger auf ihr Geld warten. Bevor die Milliarden fließen können, bedarf es noch der Zustim-mung einzelner Gläubigergruppen sowie des zuständigen Gerichts. Der neue Insol-venzplan sieht höhere Zahlungen an Anleihegläubiger vor. Von Lehman Brothers war zunächst kein Kommentar zu dem am Dienstagabend bei einem Insolvenzgericht in New York eingereichten Plan zu erhalten.
Die geforderte Zustimmung der Gläubiger soll Experten zufolge langwierige Gerichts-verfahren vermeiden. Auch wenn der neue Insolvenzplan durchgewunken wird, werden die geprellten Anleger nur einen Bruchteil ihres Geldes wiedersehen. Re-strukturierungsexperte Bryan Marsal, der Lehman führt, hatte zu Monatsanfang mitgeteilt, der einstige Wall-Street-Riese werde voraussichtlich 60 Milliarden Dollar der anerkannten Forderungen in Höhe von 322 Milliarden Dollar zurückzahlen.
Der Insolvenzantrag der einst viertgrößten US-Investmentbank im September 2008 gilt als Höhepunkt der Finanzkrise. Es ist die bei weitem größte Firmenpleite in der US-Geschichte. Das Institut war sehr stark in Immobilien, Hypothekenpapieren und komplexen Kreditverbriefungen engagiert. Dramatische Wertverluste in diesen An-lagen brachen Lehman das Genick. |
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